Elektrische Wiedergabe


Der elektrische Antrieb des Plattentellers ist der erste Schritt, wenn auch batteriebetrieben wie das Inserat der Leipziger Firma C. BELTRAME vom 08.08.1907 für das AELOPHON zeigt:

Bild "Beltrame_Leipzig_19070808.png"



Einen sehr vagen Ansatz zur elektrischen Abtastung - wenn auch für Phonographen und zu einem ganz anderen undurchsichtigen Zweck - hat Henri Félicien Léon Hantz aus Paris am 24.12.1906 zum Gebrauchsmuster angemeldet:

Bild "Hantz_Paris_GM_19061224.png"

Daraus hätte ein elektrischer Tonabnehmer nach dem Prinzip des Kohlemikrophons werden können ...



Schon etwas früher hat sich Gustav Heinrich Müller aus Hamburg Gedanken über eine Elektrifizierung der Schalldose gemacht und am 04.04.1906 ein Patent dafür bekommen:

Bild "Mueller_Patent_19060404.png"

Spinnt man diesen Ansatz weiter hätte daraus eine Art magnetischer Tonabnehmer werden können ...



Bestrebungen zur elektrische Wiedergabe gab es schon bald nach den ersten elektrisch aufgenommenen Platten im Jahr 1925.

1925 kündigt die amerikanische Firma BRUNSWICK mit dem Modell PANATROPE das vorgeblich erste vollelektrische Wiedergabegerät an. Die englische BRUNSWICK Niederlassung hatte etwa 1936 zur werblichen Unterstützung eines der PANATROPE diese Graphik zu bieten:


Bild "Brunswick_new.png"

Bild "Brunswick_Panatrope_1936.png"



Zu diesem Zeitpunkt hätte man eigentlich schon wissen müssen dass der menschliche Hörbereich nicht bei 10 kHz endet, und auch Instrumente Oberschwingen über diese Grenze hinaus erzeugen.


Ob das PANATROPE wirklich einen Frequenzbereich von 16 Hz bis 21 kHz wiederzugeben vermochte muss vorsichtig bezweifelt werden, ebenso ob zeitgenössische Plattenschneidemaschinen wirklich 21 kHz schneiden konnten.





Repräsentativ für viele elektrische Plattenspieler sollen einige Modelle gezeigt werden.

Mit einem Kristall-Tonabnehmer für Stahlnadeln ausgestattet ist die GRAWOR SUPER-KRISTALL Schatulle aus etwa 1939:

Bild "Grawor_Superkristall.jpg"

Völlig anachronistisch dagegen ist der 1949 von DUAL vorgestellte und von der Fachpresse angeblich hochgelobte Schallplattenwechsler 1000W, ebenfalls für Stahlnadeln:

Bild "Dual_1000W.jpg"

Die vom Hersteller empfohlenen FÜRSTEN DURACROM Nadeln für zehn Plattenseiten ruinieren schon die erste abgespielte Platte - bei einer Auflagekraftt von 80 Pond!

Gegenüber dem bereits Mitte der 30er Jahre von der amerikanischen Firma CAPEHART vorgestellten Plattenwechsler mit einer Auflagekraft von 170 Pond ist der DUAL 1000W zwar ein feinmechanisches Wunderwerk, ansonsten jedoch kein wirklicher Fortschritt:

Bild "Philco_z34.jpg"

1951 brachte DUAL das weiterentwickelte Modell 1001W auf den Markt. Die Mechanik mit dem fliehkraftgeragelten Motor blieb unverändert, der Tonarm wurde leichter und bekam einen Kristalltonabnehmer mit Saphirnadel:

Bild "Dual_1001W_tonarm_detail.jpg"

Mit einer Auflagekraft von 30 Pond kann hier aber noch nicht von einem Leichttonabnehmer die Rede sein.


Immerhin gab es bereits 1936 mit dem TELEFUNKEN TO 1000 einen Tonarm mit dynamischem Tonabnehmer und Saphirnadel für eine Auflagekraft von 20 bis 25 Pond:

Bild "D_Telefunken_TO1000.jpg"

Der Tonarm wurde in Zusammenarbeit mit Siemens entwickelt und auch als SIEMENS ST5 vertrieben. Die Frequenzkurve war schon ganz passabel:

Bild "D_Telefunken_TO1000_fk.png"

Dem Hersteller zufolge soll der Saphir eine Lebensdauer von 5000 Plattenseiten aufweisen.

1939 erschien der leicht modifizierte Nachfolger TO 1001, 1948 das praktisch identische Modell TO 1002 über dessen Serienfertigung in der Zeitschrift FUNK-TECHNIK (Heft 22, 1948) eine doppelseitige Kollage erschien:

Bild "TO1002_Fertigung.jpg"
(PDF 439kB)



Ausser Konkurrenz der Plattenwechsler THORENS CD61 aus etwa 1950

Bild "thorens_CD61.jpg"

mit einem Kristalltonabnehmer für Stahlnadeln. Möchte man eine einzelne Platte abspielen muss der Stabilisierungsstern trotzdem aufgesetzt werden weil sich nur damit das Laufwerk in Bewegung setzen lässt.


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