Sonderfall: Vertikal geschnittene Pathé-Platten


Europa:

Hier Europa zugeordnet obwohl die Platten auch für oder in USA hergestellt wurden. Die ursprünglichen Aufnahmen wurden auf überdimensionale Walzen mit hoher Drehzahl geschnitten und für das Endprodukt (Walze oder Platte) mit einer Art Pantograph umkopiert.
Bild "Pathe_15921_52040_GR.jpg"
(Aufnahmedatum unbekannt. MP3, 2:40, 668kB)

Wie alle vertikal geschnittenen Platten dürfen auch die europäischen Pathè-Platten niemals mit Stahlnadeln abgespielt werden. Andernfalls werden die Rillen unweigerlich zerstört!

Bild "Pathe_platten_F_Hinweis_bw_8_700_8.png"

Im Klartext:

  1. Die PATHÉ-PLATTEN beseitigen das lästige Auswechseln der Nadel.
  2. Die PATHÉ-PLATTEN müssen mit einer PATHÉ-SCHALLDOSE gespielt werden.
  3. Die PATHÉ-PLATTEN müssen vom Zentrum der Platte aus gespielt werden. Man setze die Schalldodose auf den inneren erhabenen Rand der Platte.
  4. Die PATHÉ-PLATTEN müssen mit einer Geschwindigkeit von 90 bis 100 Umdrehungen in der Minute gespielt werden.
  5. Die PATHÉ-PLATTEN können auf allen Sprechmaschinen, welche mit einer PATHÉ-SCHALLDOSE versehen sind, gespielt werden.


Die PATHÉ-SCHALLDOSE tastet mit einem verrundeten Saphir ab. Quellen zufolge soll die Drehzahl bis zu 120 U/Min. reichen.

Abgesehen von der vagen Geschwindigkeitsangabe ist die Wiedergabe bzw. Aufnahme dieser Platten diffizil. Ich verwende ja nach bestem Resultat entweder den Ortofon Stylus 78 oder die konische Nadel für Mikrorillen. Man muss mit dem Antiskating und der Auflagekraft spielen damit die Nadel in der Rille bleibt und nicht mit einem Rutsch von innen nach aussen gleitet.

Der Umbau des Stereo-Tonabnehmer-Systemträgers mit Umkehr einer Phase ist nicht nötig: Mit Audacity kann die Phase eines Kanals problemlos invertiert werden.

Prinzipbedingt mangelt es vertikal geschnittenen Platten an tiefen Tönen, man muss also nachbessern so gut es geht.

Andere europäische Pathé-Platten haben Seitenschrift.



USA:


Im Gegensatz zu europäischen sind die amerikanischen Pathé-Platten von aussen nach innen geschnitten.

Bild "PFP_22393B_68489.jpg"
Diese Aufnahme ist bei YouTube hochgeladen.

Die Wiedergabe auf modernen Plattenspielern ist nicht ganz so kritisch. Bis auf die Drehzahl (80 U/Min.) gilt das gleiche wie oben beschrieben.

Die amerikanische Firma Brunswick Balke Collender Co. hatte sich 1916 des Durcheinanders der unterschiedlichen Systeme angenommen und ihre Modelle universell ausgerüstet:


Bild "Brunswick_1916_model_text_8.png"

Da Brunswick zu dieser Zeit noch keine eigenen Platten hergestellt hat wird den Pathé-Platten der Vorzug gegeben. Das teuerste Gerät würde nach heutiger Kaufkraft umgerechnet etwa 2.800 EUR (3,900 $) kosten! (Beruhigend dass das ganze Zubehör im Preis enthalten war)

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Steht NEEDLE CUT auf dem Label

Bild "Pathe_needle_cut.jpg"
(Aufgnommen Ende April 1924. MP3, 3:09, 804kB)

ist die Platte mit Seitenschrift geschnitten. Trotzdem ist auch hier ein eklatanter Mangel an tiefen Tönen zu verzeichnen.

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