Amateuraufnahmen


"Amateur" ist Synonym für Interpret und/oder Aufnahme-Techniker bzw. Apparatur.

Die Selbstaufnahme von Schallplatten war mindestens seit 1904 ein Thema wie man hier nachlesen kann.

Nach Einführung der elektrischen Aufnahme gab es sowohl Bauanleitungen für "Schallplattenbastler" als auch Bauteile und fertige Apparaturen. Allen ist gemein dass die Qualität der Industrieschallplatte kaum erreicht wurde. "Schneidkennlinie" war, abgesehen von studioähnlichen Apparaturen, in der Regel ein Fremdwort. Weitere Unwägbarkeit war die Art des Mikrophons (Telephonkapsel, Kohlemikrophon, günstigstenfalls ein Kondensatormikrophon), die Qualität der Schreibers (es gab auch speziell bass-schwache), die Wahl des Rohlings (Blank) und der Aufnahmeraum. Die Ratschläge zur "Entzerrung" bei der Wiedergabe waren vielfältig. Meist besserer Qualität waren die Individualaufnahmen von kleineren Tonstudios, zum Beispiel in Berlin bei Televox oder dem "Schweizer Musikhaus".

An der Beschreibung des "AKE-Simplex-Gerät" kann man sich hier delektieren.

Der  Autor dieser Beschreibung, Dipl.Ing. A.Cl. Hofmann, beginnt in seinem Buch "Deine Stimme auf der Platte - Das Schallplatten-Aufnahme-Praktikum" das Kapitel "Der Aussteuerungsmesser" wie folgt:

Bild "Hofmann_DSadP.png"
Um gute und saubere Aufnahmen zu erhalten, ist es erforderlich, daß die Endstufe des Empfängers bzw. Verstärkers und die Schneiddose durch die angelegte Wechselspannung nicht übersteuert wird. Hat man zur Kontrolle vor der Aufnahme einen Lautsprecher an den Verstärkerausgang gelegt bzw. den eingebauten Lautsprecher eingeschaltet, so kann man bereits mit dem Ohr kontrollieren, wenn eine Übersteuerung durch zu große Verstärkung auftritt, da in diesem Fall der Lautsprecher eine vezerrte Wiedergabe gibt bzw. klirrt. Diese Erscheinung zeigt an, daß die Verstärkung bei Rundfunkempfang oder auch bei Besprechen des Mikrofons zu weit "aufgedreht" wurde. Faßt man die Schneidnadel der hochgestellten Dose an, so fühlt man beim Besprechen des Mikrofons bzw. bei auf die Dose geschalteten Rundfunkempfang das Vibrieren des Schneidestichels. Bei einiger Uebung kann man aus der Stärke der Vibration auf den Grad der Aussteuerung einen ungefähren Rückschluß machen.

Nun wundert nicht warum sich bei der Wiedergabe von Selbstaufnahmen gelegentlich die Fußnägel hochrollen bzw. von "Schneidkennlinie" keine Spur ist. Ein besonders abschreckendes Beipiel einer Selbstaufnahme auf einer Draloston-Platte ist oben bei Meedlz E (Elsas Traum).

Weitere Selbstaufnahmen:

Bild "BSRP_19400714_JRM.jpg"


"The Chamber Music Society of Lower Basin Street" hatte ab 1940 in New York wöchentlich halbstündige Sendungen, hier (ein Belegexemplar?) mit dem Ansager Gene Hamilton (auch angekündigt als "Dr. Gino Hamilton") und zwei Stücken von Jelly Roll Morton, datiert 14.07.1940.

(MP3, 4:58, 1.224kB)






Bild "Audiodisc_Goodman_Caprice24_19411220.jpg"

Aus dem Hotel "New Yorker" in New York übetrug die CBS Livemusik über alle Sender der Kette. Einem Hörer der Station KNX in Los Angeles verdanken wir eine Selbstaufnahme am 20.12.1941 auf einem "Audiodisc Recording Blank" bei welcher ein lästiger Brumm bis weit in der Hörbereich zu eliminieren war.

(MP3, 3:21, 916kB)






Bild "Federal_Disk_Radio_Popular_Kuba.jpg"

Bild "Federal_Disk_Radio_Popular_Kuba.jpg"

Ich hoffe ein Kenner des spanischen Stakkatos kann identifiziren von welcher Radiostation auf Kuba diese beiden Aufnahmen getätigt wurden. Ich höre zwar "Radio Popular", aber eine Station dieses Namens war nicht zu ermitteln. Die zweite Seite war so flach geschnitten dass eine Nadel für moderne Platten Verwendung finden musste. Insgesamt ein Mischung aus Fading und/oder Experiment ...

(MP3, 3:40, 1.046kB / 3:58, 1.175kB)




Bild "Christa_an_Siegfried.PNG"

Leider (noch) ohne gescanntes Label eine undatierte Aufnahme aus einem kleinen Tonstudio: Christa sendet ihrem Siegfried einen musikalischen Weihnachtsgruss an die Front.

(MP3, 2:24, 565kB)







Keine Amateuraufnahme per se, aber statt Wachsmatrix auf französischen PYRAL Blanks geschnitten wurden die Konzerte "Jazz At The Philharmonic", erschienen auf dem Label "Melojazz":

Bild "Melojazz_7005B_Pyral.jpg"

Bild "Melojazz_7005A.jpg"


Ob die fehlenden Bässe der Live-Aufnahme (Ende 1946 in Los Angeles) geschuldet sind oder die Aufnahmeapparatur zur Vermeidung von Übersteuerung unüblich gepegelt wurde ist nicht bekannt. Da auch die Aufnahmeapparatur deutlich rumpelt gilt hier "wo nichts ist hilft kein Zauber".

Der dritte Teil von "How High The Moon" (erschienen auf Melojazz 7006) fehlt leider. Da die Platten auch in Deutschland vertrieben wurden bitte ich höflichst nachzusehen und bitte gegebenfalls um Rückmeldung: Kontakt

(MP3, 6:35, 1.809kB)




(wird gelegentlich fortgesetzt)